Hampleton-Partners-Report: Enterprise-Software-M&A trennt die Spreu vom Weizen
Enterprise software
Der Rückgang der Deal-Zahlen im ersten Halbjahr 2026 signalisiert keine Schwäche, sondern Selektivität. Laut dem neuesten Enterprise Software M&A Market Report 2H2026 von Hampleton Partners wurden in 1H2026 1.132 Transaktionen verzeichnet, rund 8% weniger als die 1.231 im zweiten Halbjahr 2025. Dennoch ziehen die Bewertungen an: Der Median des EV/Umsatz über 30 Monate stieg leicht auf 3,8x, der Median des EV/EBITDA erreichte mit 18,8x einen neuen Höchststand.
Miro Parizek, Gründer und Senior Partner bei Hampleton Partners, kommentiert: „Das ist ein disziplinierter Markt, kein schwacher. Strategische Käufer bewegen sich nahe an Rekordniveau und nutzen M&A gezielt, um Fähigkeiten und Talente aufzunehmen. Private Equity ist dagegen selektiver geworden: weniger Deals, dafür Kapital konzentriert auf wenige, verteidigungsfähige Assets, für die hohe Ertragsmultiples gezahlt werden. Auch bei KI ist die Erzählung reifer geworden. Käufer zahlen keine Prämie mehr für ein KI-Etikett, sondern für das Vertrauen, die Governance und die Zuverlässigkeit rund um die Software, den Teil, der weit mehr wert ist als der Code selbst.”
Private Equity wird selektiv, Strategen bleiben nahe Rekord
Strategische Käufer standen in 1H2026 für einen Rekordanteil von 74% der Aktivität, Private Equity fiel auf 26% zurück. Der scheinbare Widerspruch aus weniger PE-Deals bei zugleich deutlich höheren PE-Multiples zeigt sich vor allem in den Multiplikatoren. Auf EV/Umsatz-Basis haben sich beide Gruppen bei rund 3,8x angenähert, auf EV/EBITDA zahlte Private Equity dagegen im Median 26,0x gegenüber nur 13,6x bei den Strategen, fast das Doppelte. Das ist keine Großzügigkeit, sondern Kalkül: Sponsoren konzentrieren Kapital auf wenige, geschäftskritische Softwareunternehmen in regulierten oder komplexen Verticals, wo Wechselkosten hoch und die Angreifbarkeit durch generische KI gering ist. In Vertical Applications kletterte der Median des EV/EBITDA auf 22,4x. Für alles andere sinkt die Zahlungsbereitschaft spürbar.
KI trennt Gewinner von Verlierern
KI galt vielfach als existenzielle Bedrohung für etablierte Software. Diese Angst ist übertrieben, die Konsequenzen sind es nicht. Käufer behandeln KI heute als Feature, das in bestehende Plattformen eingebettet wird, nicht als Kaufargument, für das man eine Prämie zahlt. Der Effekt ist eine zunehmende Zweiteilung des Marktes: Klassische SaaS-Anbieter ohne belastbare KI-Strategie oder proprietäre Daten verlieren an Bewertung, während datenreiche, tief in Kundenprozesse eingebettete Plattformen Prämien erzielen. Der Wert liegt nicht im Code, sondern in der Schicht aus Daten, Support, Governance, Sicherheit und Zuverlässigkeit darum herum, und genau die lässt sich mit generischer KI nicht nachbauen.
Enterprise Software bleibt eine der resilientesten und liquidesten M&A-Branchen, aber der Markt belohnt nicht mehr jeden gleichermaßen. Für Eigentümer, die einen Verkauf erwägen, ist die Konsequenz eindeutig: Wer eine verteidigungsfähige Nische, wiederkehrende Umsätze und echte KI-Reife vorweist, trifft auf hohe Nachfrage und Premium-Multiples. Wer das nicht vorweisen kann, muss mit einem anspruchsvolleren Prozess rechnen.
Führende Käufer von Enterprise Software, letzte 30 Monate
Valsoft ist der aktivste Käufer im Sektor. Auch Volaris und Visma sind ausgesprochen aktiv in einem Markt, in dem Hampleton über 4.470 Käufer erfasst hat, die in den vergangenen 30 Monaten mehrere Akquisitionen getätigt haben.
Valsoft: 35 Akquisitionen, darunter NedFox (Retail-ERP- und POS-Software, NL), DigitalEd (Online-Lern- und Prüfungsplattform für MINT, CA) und KidKare by Minute Menu (Software für Kita-Verwaltung und Compliance, US).
Volaris: 28 Akquisitionen, darunter socoto (Marketing-Automation-Software, DE), Accent Technologies (Sales-Enablement-Software für regulierte Branchen, US) und Interplayers (Ecosystem-Software für Gesundheit und Wellness, BR).
Visma: 25 Akquisitionen, darunter MaisMei (Compliance-App für Kleinstunternehmer, BR), EstateApp / Jakoa Enterprises (Software für Immobilien- und Objektverwaltung, FI) und WeFact (Rechnungs- und Verwaltungssoftware für KMU, NL).
Report als Download verfügbar
Laden Sie den vollständigen Hampleton Partners Enterprise Software M&A Market Report 2H2026 herunter, der die wichtigsten Branchentrends und Fallstudien aus den Hauptsegmenten untersucht: Enterprise Applications, Vertical Applications, Business Intelligence & Customer Analytics, Information Management, Infrastructure Management sowie Design, Testing & Simulation.
Hinweis für Redakteure
Die M&A-Marktberichte von Hampleton Partners basieren auf Daten und Informationen der 451 Research, Capital IQ, CB Insights, Gartner, IDC und weiteren Quellen.
Über Hampleton Partners
Hampleton Partners berät Eigentümer von Software- und Technologieunternehmen bei M&A-Transaktionen und Wachstumsfinanzierungen mit strategischen Käufern oder Finanzinvestoren. Die erfahrenen Dealmaker von Hampleton haben bislang Hunderte von Anteilseignern aus der Technologiebranche beraten und bieten Unternehmern, die ihr Unternehmen verkaufen, sich teilweise zurückziehen oder ihr Wachstum beschleunigen wollen, praktische Erfahrung und gezielte Beratung.
Mit Standorten in Europa und Partnern in Nordamerika und Asien, bietet Hampleton eine globale Perspektive mit Branchenkenntnissen in Unternehmenssoftware, Digital Commerce, IT & Business Services, Künstliche Intelligenz, Automotive, Mobility & Infrastructure, Cybersecurity, Fintech, Healthtech, HR Tech und Insurtech.
Hampleton auf LinkedIn.
Jetzt die Hampleton-Reports abonnieren: www.hampletonpartners.com/reports
AI generated images
